Chancengleichheit durch Bio-Banding

07.12.2023 12:17

Chancengleichheit durch Bio-Banding

Chancengleichheit, freier Zugang zum Sport und fairer Wettkampf sind zentrale Werte im Kinder- und Juniorenfussball. Mit dem Bio-Banding soll die Talenterkennung bei Spielern mit gleichem Entwicklungsstand erkannt werden. Family inside vermittelt dir einen Einblick ins Bio-Banding.

Kinder und Jugendliche werden im Fussball in Altersklassen eingeteilt, die sich auf Jahrgänge beziehen. Geht es um die Selektion von Talenten, haben innerhalb eines Jahrgangs körperliche und mental fortgeschrittene Kinder gegenüber relativ Jüngeren meist grössere Vorteile. Wird der persönliche Entwicklungsstand eines Kindes bei der Talentselektion nicht beachtet, scheiden spätentwickelte Kinder, die aber ebenso Potential hätten, zu früh aus dem Leistungssport aus. 

Warum diese Entwicklung? Ein im Januar geborenes Kind ist fast 12 Monate älter als ein im Dezember geborenes Kind. In Bezug auf Grösse, Gewicht, Kraft, Geschwindigkeit und Ausdauer hat das Januar-Kind meist eine fortgeschrittene, körperliche Entwicklung. Im Alter zwischen 11 und 18 Jahren sind die Unterschiede im biologischen Entwicklungsstand wesentlich. Dabei hat das relative Alter auf Spielpositionen (wie beispielsweise die von Torhütern oder Verteidigern) in Bezug auf die Körpergrösse einen gewichtigen Einfluss. Ein Spieler mit einer frühen Entwicklung setzt sich häufiger in Zweikämpfen durch, ist schneller und stärker. Er profitiert von einer besseren Leistung und wird dadurch eher selektioniert. Dadurch hat er auch eher die Möglichkeit, von besseren Trainern trainiert zu werden. Dies wiederum bringt ihm eine bessere Förderung, was letztlich zu einer Leistungssteigerung führt. Andererseits haben jüngere, die weniger entwickelt sind, aktuell schlechtere Leistungsmöglichkeiten und werden daher nicht selektioniert. Sie fallen im Fussball eher in ein schlechteres Team oder werden allenfalls nicht in den Verein aufgenommen. Sie werden meist weniger unterstützt und können so weniger gute Fortschritte erzielen. 

Dass die mit dem relativen Alter und der biologischen Entwicklung zusammenhängenden Vorteile bei den Fähigkeiten und Fertigkeiten nur vorübergehend sind und am Ende des Wachstums verschwinden, geht bei der Selektion leider oft vergessen. Das führt dazu, dass die durch Spätenwicklung benachteiligten Teilnehmer eines Selektionsverfahrens ihre Fussballkarrieren oft vorzeitig beenden.

Mit der Möglichkeit des Bio-Bandings will der Schweizerische Fussballverband (SFV) den Auswirkungen des biologischen Alters entgegenwirken, um chancengleich selektionieren zu können. Das Bio-Banding wurde zuerst in einem gemeinsamen Projekt vom SFV, der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen und Swiss Olympic wissenschaftlich untersucht und später eingeführt. MIt dem Bio-Banding werden nun Spieler, die biologisch jünger sind, in eine niedrigere Spielklasse und umgekehrt biologisch Ältere in eine höhere Spielklasse eingeteilt. So kann jeder Spieler seinem persönlichen Leistungsstand entsprechend gesichtet und gefördert werden. Mit dem Bio-Banding erfolgt die Einstufung der Spieler/Spielerinnen so über drei biologische Altersgruppen pro Kategorie (FE-13, FE-14 und U-15).